10 Irrtümer über das Gitarre lernen – und was wirklich zählt
- Christian Konrad

- 7. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Stell dir zwei Menschen vor, die beide gleich viel Zeit und Fleiß ins Gitarre lernen stecken – und trotzdem völlig unterschiedlich vorankommen. Der Unterschied liegt oft nicht am Talent, sondern an zehn Glaubenssätzen, an die der eine glaubt und der andere nicht. Diese Glaubenssätze fühlen sich wie Wahrheiten an, weil man sie überall hört – dabei sind es meistens nur ungeprüfte Aussagen. Zeit, damit aufzuräumen.
1. "Ich brauche ständig hohe Motivation"
Motivation gibt dir am Anfang den nötigen Schubs, aber sie kommt und geht, wie sie will. Wer aufs Üben verzichtet, sobald die Motivation nachlässt, hört meistens irgendwann ganz auf. Was stattdessen trägt: Routine. Ein festes Programm, das du unabhängig von deiner Stimmung durchziehst – so wie du dir auch nicht jeden Morgen neu überlegst, ob du Lust hast, dir die Zähne zu putzen. Ein Mindestmaß an Disziplin hilft am Anfang, bis die Routine von selbst läuft.
2. "Wenn ich es erst richtig verstanden habe, klappt alles"
Die besten Gitarristen wissen oft selbst nicht genau, was sie technisch tun – sie können es nicht mal erklären. Wissen ist nicht der entscheidende Faktor, sondern tausendfach geübte Bewegungsabläufe. Das ist wie beim Autofahren: Die Theoriestunden bereiten dich kaum auf die erste echte Fahrpraxis vor. Verstehen ist bei der Gitarre der leichte Teil – Können ist das, was Zeit und Geduld braucht, dich aber wirklich ans Ziel bringt.
3. "Ich muss jeden Tag üben, sonst bringt's nichts"
Diese selbstgesteckte Messlatte geht an der Alltagsrealität der meisten erwachsenen Gitarristen vorbei. Zwischen Job, Familie und allem anderen ist täglich als Ziel kaum durchzuhalten – und wer es trotzdem versucht, gibt meistens nach der ersten Begeisterungsphase ganz auf. Besser funktionieren machbare, konstante Vorgaben: dreimal die Woche 30 Minuten, notfalls auch nur 15. Konstanz schlägt Intensität.
4. "Ich muss erst die Basics perfekt können, bevor ich echte Lieder spiele"
Viele Gitarrenanfänger warten, bis sie sich bereit genug fühlen, um richtige Songs zu spielen – und warten dann ewig. Dabei lernt man Spielen nur durch Spielpraxis. Der Sprung ins kalte Wasser gehört von Anfang an dazu: mit dem, was du schon kannst, auch wenn es noch wenig ist. Wirklich gut genug ist man ohnehin nie – aber Gitarre lernt man nun mal, um darauf zu spielen.
5. "Ich brauche zum Gitarre lernen ein teures Instrument"
Das war früher so, ist es heute aber nicht mehr. Eine Gitarre für rund 100 € reicht völlig aus, wenn das Budget knapp ist – gebraucht geht's noch günstiger. Wer mehr investieren kann, ist mit 500–600 € schon in der Region "wunschlos glücklich". Teurer geht immer, muss aber nicht sein.
6. "Ohne festen Lehrer vor Ort geht es nicht"
Dieses Gerücht hält sich hartnäckig – nicht zuletzt, weil es von Gitarrenlehrern selbst gerne erzählt wird. Entscheidend ist nicht die physische Anwesenheit eines Lehrers, sondern ein roter Faden: ein gut aufgebauter Lehrplan, der fordert, aber nicht überfordert. Den kann ein Buch liefern, ein Video – oder eben ein Lehrer vor Ort. Online-Unterricht ist dazu oft auch deutlich günstiger als wöchentliche Einzelstunden.
7. "Wer nicht schon jung angefangen hat, wird nicht mehr richtig gut"
Eine beliebte Ausrede, vor allem bei älteren Interessenten. Erwachsene bringen sogar Vorteile mit: Sie wissen aus Erfahrung oft genau, wie sie am besten lernen, weil sie das schon bei anderen Fähigkeiten – Beruf, Fremdsprachen – erlebt haben. Kinder haben dagegen oft noch gar kein eigenes Lernsystem entwickelt.
8. "Wenn ich wochenlang nicht weiterkomme, bin ich einfach nicht dafür gemacht"
Stagnationsphasen gehören zum Lernen dazu. Das Gehirn verarbeitet im Hintergrund weiter, was du geübt hast, auch wenn sich nach außen erstmal nichts tut. Der Trick ist, genau in diesen Phasen dranzubleiben – dann klappt es oft wenige Tage später plötzlich doch. Ausbleibender Fortschritt heute sagt nichts darüber aus, was sich gerade in dir festigt.
9. "Ich bin einfach unmusikalisch, kein Ohr für Musik"
Ein musikalisches Gehör ist keine Gabe, die man hat oder nicht – es ist ein Muskel, der trainiert wird durchs Hören, Ausprobieren und Nachmachen. Wer Riffs und Melodien immer wieder versucht herauszuhören, statt sie fertig vorgesetzt zu bekommen, schult sein Gehör automatisch, einfach durchs Tun.
10. "Wenn es schwerfällt, mache ich etwas falsch"
Dass Finger anfangs wehtun, ein Griff nicht sitzen will oder etwas sich lange unbequem anfühlt, ist normal – keine Fehlermeldung. Der Trick: nicht bewerten, ob sich etwas gerade falsch anfühlt, sondern einfach weitermachen. Die Finger sind nicht falsch gebaut, sie haben nur noch nicht gemacht, was gerade von ihnen verlangt wird.
Checkliste: Die 10 Irrtümer auf einen Blick
Motivation nötig → nein, Routine trägt
Erst verstehen, dann klappt's → nein, Können kommt durch Praxis
Täglich üben ist Pflicht → nein, Konstanz schlägt Intensität
Erst Basics perfekt, dann Lieder → nein, ins kalte Wasser springen
Teures Instrument nötig → nein, 100–600 € reichen völlig
Ohne Lehrer vor Ort geht nichts → nein, der rote Faden zählt
Zu alt zum Lernen → nein, Erwachsene lernen oft effizienter
Stillstand = kein Talent → nein, das Gehirn arbeitet im Hintergrund weiter
Unmusikalisch, kein Gehör → nein, das Gehör lässt sich trainieren
Schwierigkeiten = etwas falsch gemacht → nein, das ist normaler Lernprozess Bereit, endlich strukturiert dranzubleiben?
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