Gitarre lernen - 5 Anfängerfragen | Gitarren-Blog

Gitarre lernen und verstehen

Gitarre lernen - 5 Anfängerfragen

Gitarre lernen 5 Fragen


Mit dem Ergreifen eines neuen Hobbys wie dem Gitarrenspiel tauchen natürlich immer auch vielfältige Fragen auf, sei es zu notwendigen Anschaffungen, Motivation, Verständnis- oder Technikfragen.

Wenn es um kompetente Antworten geht, wäre natürlich hier der beste Ansprechpartner für den Gitarrenanfänger ein professioneller Gitarrenlehrer.
Aber nicht jeder Einsteiger möchte/kann Unterricht nehmen und viele Dinge lassen sich doch auch auf eigene Faust herausbekommen.
Eine gute Quelle für Antworten auf typische Anfängerfragen ist auch mein Mini-E-Book "Gitarre lernen - Die ersten Schritte".

Hier geht's zum Video:


Meistens kennt man jemanden aus der Familie oder dem Freundeskreis, der irgendwann einmal mit dem Gitarrenspiel mal angefangen hat und womöglich schon zwei Schritte weiter ist.
Alternativ kann man sich natürlich auch im Internet oder im Musikgeschäft auf die Suche nach verlässlichen Antworten machen, doch Vorsicht: Nicht jeder selbstbetitelte „Experte“ oder „Gitarrenlehrer“, ob im Internet, im Laden oder zu Hause, versteht wirklich viel davon.

Als langjähriger Gitarrenlehrer sind mir die typischen Probleme vertraut und ich werde an dieser Stelle ab sofort regelmäßig je fünf typische Fragen beantworten, die mir seit Beginn meiner Lehrtätigkeit bis heute immer wieder gestellt werden.
Übrigens gibt es von mir auch einen 12-Monats-Video-Gitarrenkurs für Anfänger.

Die Reihenfolge, in der ich die Fragen hier nenne und beantworte, ist rein zufällig.
Sie sind nicht nach Wichtigkeit, Häufigkeit oder Thema sortiert.

Gerade am Anfang ist es natürlich wichtig, grundlegende Dinge zu beachten und Fehler zu vermeiden, da sich sonst vermeidbare Komplikationen und Schwierigkeiten ergeben, die nicht selten zu Frust und zur vorzeitigen Aufgabe des neuen Hobbys Gitarre führen.

Meine Antworten basieren wie gesagt auf langjähriger Lehrtätigkeit und eigener Erfahrung.
Trotzdem gibt es zu manchen Themen auch unter den Profis Uneinigkeit und widersprüchliche Angaben.
So variieren z.B. zu der Frage, wie oft man die Saiten einer Gitarre wechseln soll, die Angaben diverser Fachleute zwischen „alle 2 Wochen“ und „alle 2 Jahre“.

Manches muss man einfach selbst ausprobieren und sich dann selbst ein Urteil bilden.
Ich werde jedenfalls nach bestem Wissen und Gewissen in Kurzform antworten.


Frage 1: Wie hält man eine Gitarre richtig?
Auch wenn es auf diese Frage nicht „die“ richtige Antwort gibt, kann man immerhin wohl eindeutig sagen, dass die Gitarre a) einen sicheren Halt haben muss und b) der Spieler/die Spielerin möglichst gerade und unverkrampft sitzen oder stehen sollte.

Gehen wir zunächst mal vom Spielen im Sitzen aus: Hier kennen wir zum Einen die „klassische" Haltung, wie sie von Spielern klassischer Gitarrenmusik verwendet und oftmals auch an Musikschulen gelehrt wird. Dabei wird der linke Fuß auf eine Fußbank gestellt (zwei dicke Bücher tun es auch) und der Korpus der Gitarre auf der Seite der Greifhand auf den Oberschenkel gelegt. Der Gitarrenhals steht somit diagonal nach oben. In dieser Haltung kann die Gitarre nicht wegrutschen und der linke Arm hat genug Platz, um nicht am Gitarrenhals zu „kleben".



Klassische Gitarrenhaltung

Die alternative Haltung dazu kennen wir von den meisten Gitarristen aus Folk, Blues, Rock und Pop:
Sie verwenden keine Fußbank und legen den Korpus auf dem rechten Oberschenkel ab. Der linke Arm hat damit naturgemäß weniger Bewegungsspielraum und man muss aufpassen, dass die Greifhand (linke Hand) nicht am Gitarrenhals klebt.
Trotzdem ist diese Haltung für viele Gitarristen ungleich bequemer und natürlicher.


Legere Gitarrenhaltung

Man sollte beides einmal ausprobieren. Egal wie man die Gitarre hält, sollte man sie beim Spielen immer ganz dicht an sich heranziehen und nicht so kippen, dass man sich selbst „auf die Finger schaut“.
Die Innenseite der linken Hand sollte immer etwas Abstand zum Gitarrenhals haben, gegriffen wird mit den Fingern, nicht mit der Handfläche!
Der Daumen befindet sich normalerweise an der Halsrückseite in der Mitte, so dass er einen leichten Gegendruck zu den Fingern der Greifhand ausübt. Im Einzelfall wird er uch an den oberen Griffbrettrand bewegt.

Die rechte Hand (Anschlagshand) sollte stets locker sein, egal ob man mit einem Plektrum oder den Fingern anschlägt. Gerade beim Anschlagen von Akkorden ist es wichtig, mit einer Schüttelbewegung aus Unterarm und Handgelenk zu spielen, nicht aus den Fingern.

Bei der Haltung im Stehen gibt es auch ganz unterschiedliche Beispiele virtuoser Gitarristen, die ihre Gitarre entweder auf Brust- oder Kniehöhe hängen haben.
Ich würde als grobe Richtlinie empfehlen, den Gitarrengurt so einzustellen, dass der Korpus in etwa auf Höhe der Gürtelschnalle hängt (auch wenn das oftmals zu Kratzern auf der Gitarrenrückseite führt).

Haltung im Stehen

Frage 2: Sollen die Fingernägel lang oder kurz sein?
Dies ist ein ganz wichtiger und leider zu oft missachteter Aspekt des Gitarrenspiels!
Die Fingernägel der Greifhand sollten immer ganz kurz gehalten werden. Nur so ist ein gerades Aufsetzen der Fingerkuppen auf die Saiten gewährleistet und nur so kann es sauber klingen.

Fingernägel

Zu diesem Zweck müssen die Fingernägel wöchentlich gekürzt werden, sonst macht man es sich selbst unnötig schwer.
Leider vergisst das ein Großteil der Gitarrenanfänger immer wieder, so dass ich im Unterricht praktisch jeden zweiten Schüler immer wieder daran erinnern muss!

Für die Finger der Anschlagshand ist die Frage längst nicht so einfach zu beantworten:
Für den grundlegenden Anschlag mit Daumen oder Plektrum spielt die länge der Nägel hier erst mal eine untergeordnete Rolle.
Beschäftigt man sich dann als Fortgeschrittener eingehender mit der Zupftechnik (Fingerpicking), gibt es meines Erachtens zwei Möglichkeiten:
Entweder man hält die Nägel ebenfalls ganz kurz und führt die Zupftechnik ausschließlich mit den Fingerkuppen aus.
Oder man lässt diese ein paar Millimeter über die Fingerkuppe herausragen, was jedoch einiger Nagelpflege bedarf. Schneidet man die Nägel einfach auf die gewünschte Länge (oder „knipst“ sie einfach ab) klingt es erst einmal furchtbar.
Die Nagelkanten sollte man daher im Anschluss glatt feilen und polieren (normale Nagelfeile und anschließend dreistufige Polierfeile). Bei brüchigen Nägeln empfehle ich, diese abschließend noch mit Nagelhärter zu lackieren.
Diese Mühe lohnt sich meines Erachtens absolut: Das Ergebnis ist ein höhenreicherer, runder Ton, der der Mühe wert ist.
Zum Thema Fingerpicking-Tipps habe ich auch mal ein Video aufgenommen.

Frage 3: Habe ich zu kleine/ zu große Hände oder zu lange/kurze Arme?

Diese Fragen sind bei Anfängern Dauerbrenner, vor allem, wenn es spieltechnische Probleme gibt.

O.k., besonders kleinere Menschen sollten eine infrage kommende Gitarre vor dem Kauf in die Hand nehmen und vergleichen. Eine Konzertgitarre mit sehr breitem Griffbrett oder eine Jumbo
(best. Form der Westerngitarre) mag zu voluminös sein. Gerade bei Westerngitarren (Gitarren mit Stahlsaiten) gibt in der Tat einige unterschiedliche Korpusformen und Halsprofile. Hier muss man ausprobieren und dann das Instrument kaufen, auf dem man sich am ehesten wohlfühlt. Eine zu große Gitarre kann eher problematisch sein als eine zu kleine. Zu klein gibt es doch eigentlich gar nicht, wenn man bedenkt, dass erwachsene Menschen auch auf Ukulelen und Mandolinen spielen, oder?!

Viel häufiger erlebe ich allerdings, dass Gitarristen ihr Instrument oder die eigene Anatomie für die eigenen Unzulänglichkeiten und spielerischen Probleme verantwortlich machen. Klappen beispielsweise Akkorde noch nicht, schiebt man es gerne auf die zu dicken/dünnen Finger.
Ich habe hingegen schon virtuose Gitarristen mit entweder ganz langen, dünnen Fingern oder ganz kurzen, dicken Fingern gleichermaßen virtuos spielen sehen.
Ich selbst habe als Linkshänder auf einer Rechtshänder-Gitarre spielen gelernt, also anders herum, als es landläufig empfohlen wird. Bin ich dadurch jetzt im Nachteil?
Nein, konstantes Training (Üben) lautet das ganze Geheimnis, dann man sich mit fast jeder Gitarre anfreunden.
Den häufigsten Anfängerfehler habe ich in diesem Video ausführlich besprochen.

Frage 4: Woher weiß man, wann man in einem Song die Akkorde wechseln muss?

Für die Liedbegleitung gibt es üblicherweise keine Noten, sondern oftmals nur Texte mit Akkordsymbolen (Buchstaben) darüber. Wie soll man bei dieser spartanischen Schreibweise wissen, wann ein Takt vorbei ist oder wann der nächste Akkord drankommt?
Natürlich gibt es auch spezielle Gitarren-Songbooks mit sehr detaillierten Angaben zu Taktlängen und Zählweisen.
Häufiger jedoch, gerade bei Büchern oder Internet-Sammlungen mit sehr vielen Songs, ist allerdings die oben beschrieben „Spar-Schreibweise“.
Hier ist man als Gitarrist gezwungen, sich etwas intensiver mit dem zu spielenden Song zu beschäftigen.
Hört man sich diesen mehrfach aufmerksam mit dem Zettel/Buch in der Hand an und liest die Akkordwechsel mit, findet man früher oder später heraus, an welcher Stelle diese stattfinden.
„Versuch und Irrtum“ ist hier die beste Methode, nicht nur um Songs zu lernen, sondern auch um das eigene Gehör zu schulen.

Die Taktart (grundlegende Zählweise) findet man heraus, wenn man einfach ein paarmal versucht mitzuzählen. Funktioniert „1, 2, 3, 4“ nicht, wie wäre es mit „1, 2, 3“? Es ist meistens nicht so schwer, wie man denkt, aber man muss sich Zeit und Ruhe nehmen. So kann man nach und nach die eigenen Notizen und Anmerkungen einfügen und sich Schritt für Schritt den Song aneignen.
Viele berühmte Gitarristen haben ausschließlich durch Heraushören und dann selbst Ausprobieren das Instrument erlernt.


Frage 5: Habe ich einfach kein Talent?

Diese Frage taucht manchmal dann auf, wenn Dinge vermeintlich zu lange dauern oder einfach nicht gelingen wollen.
Natürlich mag es darin Unterschiede geben, ob jemand z.B. motorisch begabt ist, über eine besonders schnelle Auffassungsgabe verfügt oder nicht.

Dies ist jedoch entgegen der landläufigen Meinung nicht vorrangig entscheidend bei der Frage, ob diese Person einmal gut Gitarre spielen wird oder nicht.

Wichtiger sind Geduld, Ausdauer, kontinuierliches Üben und eine positive Einstellung zum Musik machen.
Klar, wenn jemand sich nicht wirklich etwas aus Musik macht, wird er sich auch nicht über Jahre dazu motivieren können, konstant am eigenen Spiel zu arbeiten, wozu auch?!
Woran es liegen könnte, wenn du trotz regelmäßigen Übens keine Fortschritte machst, sage ich dir in diesem Video!

Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen, Talent hin oder her:
Mir haben in meiner Jugend, als ich mit Gitarre begann, viele Leute (Verwandte, Mitschüler, Lehrer) mangelndes Talent bescheinigt. Ich war nicht der Schnellste im Lernen und zudem furchtbar aufgeregt, wenn es darum ging, vor Leuten zu spielen. Motorische Begabung Fehlanzeige. O.K., schlechte Voraussetzungen, könnte man sagen, oder?!
Aber ich hatte trotzdem einen großen Willen und konnte mir von Beginn an nicht vorstellen, die Gitarre jemals wieder „an den Nagel zu hängen“. Ich hörte folglich einfach nicht mehr auf zu üben und zu spielen und wurde über die Jahre immer besser. Die allermeisten „talentierteren“ Musiker aus meinem Umfeld hörten hingegen irgendwann wieder auf, Musik zu machen.
Heute sagen viele zu mir „Du hast es gut, du hast Talent!“, als sei das ein angeborenes Privileg.
Diese Leute verwechseln einfach Talent mit harter Arbeit. Ein Musikinstrument zu lernen bedarf ganz einfach harter Arbeit und ist mit eher passiven Hobbys wie z.B. Fernsehen nicht zu vergleichen. Fortschritte und Erfolgserlebnisse brauchen hier viel Zeit.

Also sollte man sich nicht zu sehr an der Frage aufreiben, wie talentiert man ist, sondern besser daran, wie viel Arbeit man über einen langen Zeitraum zu investieren bereit ist.
Das alleine ist entscheidend. Diese Bereitschaft zum Üben steigt natürlich auch mit der Anerkennung, die man von anderen erhält, also wenn man z.B. viel in musikalische Aktivitäten mit anderen eingebunden ist, fördert das bei vielen Musikern die Motivation.

In diesem Sinne, hast du heute schon geübt? Ran an die Gitarre!

Was hast du für Erfahrungen zu den heute besprochenen Themen gemacht? Gibt es noch Ergänzungen oder Fragen zu einzelnen Punkten?
Schreibe mir deine Frage/Anmerkung als Kommentar und ich antworte dir, so schnell ich kann!

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