Jeden Dur- und Mollakkord greifen: Das System hinter Barré-Akkorden
- Christian Konrad

- 6. Juli
- 3 Min. Lesezeit
F-Dur ist kein Problem mehr für dich, B-Moll auch nicht – aber dann taucht im Liederbuch ein As-Dur, ein Cis-Moll oder ein Fis-Moll auf, und plötzlich ist Schluss. Das ist dann kein technisches Problem mehr. Wer F-Dur und B-Moll sauber greifen kann, beherrscht die Barré-Technik längst. Was fehlt, ist das System dahinter. Mit nur vier Grifftypen und einer einfachen Faustregel kannst du danach jeden Dur- und jeden Mollakkord selbst herleiten – ganz ohne Akkordtabelle.
Das Prinzip: Ein Griff wird verschiebbar
Das große F-Dur, das viele bereits kennen, ist im Kern nichts anderes als ein umgebauter E-Dur-Akkord. Nimmst du den ersten Finger weg und schiebst den Griff einen Bund zurück, landest du bei E-Dur. Das Barré – der quer aufgelegte Zeigefinger – übernimmt dabei die Rolle der leeren Saiten und macht den Griff komplett verschiebbar. Zeigefinger frei machen, einen altbekannten Akkord mit den übrigen Fingern greifen, das Ganze verschieben: Das ist das Grundprinzip aller Barré-Akkorde.
Der E-Dur-Typ: Barré ab der 6. Saite
Der E-Dur-Typ ist genau der Griff, den du von F-Dur her kennst – überall auf dem Griffbrett verschiebbar. Die Orientierung liefert der Ton auf der 6. Saite unter dem Zeigefinger: Er gibt dem Akkord seinen Namen. Schiebst du den Griff auf den 6. Bund, erklingt As-Dur, zwei Bünde weiter Ges-Dur, wieder zwei zurück Fis-Dur. Der große Vorteil: Mit diesem einen Griff ist es völlig egal, welcher Durakkord verlangt wird – die Grifftechnik bleibt immer gleich schwer.
Der E-Moll-Typ
Genauso lässt sich der offene E-Moll-Griff umbauen und verschieben. Wichtig dabei: Anders als bei Dur muss zwischen Barréfinger und den übrigen gegriffenen Tönen immer ein Bund frei bleiben, weil das auch beim offenen E-Moll so ist. Mit drittem und viertem Finger gegriffen, ergibt dieser Typ auf Wunsch Fis-Moll, Gis-Moll oder jeden anderen Mollakkord, für den es keinen offenen Griff gibt.
Der A-Dur-Typ: Kurze Wege ab der 5. Saite
Der E-Typ allein reicht zwar theoretisch für alles, führt in der Praxis aber oft zu unnötig weiten Sprüngen auf dem Griffbrett – gerade bei schnellen Akkordwechseln unpraktisch. Deshalb kommt der A-Dur-Typ dazu, abgeleitet vom offenen A-Dur. Besonderheit: Hier werden nur fünf statt sechs Saiten gespielt, die sechste wird vom Zeigefinger einfach abgestoppt. Die Orientierungstöne liegen entsprechend auf der 5. statt der 6. Saite.
Der A-Moll-Typ
Analog dazu gibt es den A-Moll-Typ, abgeleitet vom offenen A-Moll-Griff. Auch hier greift der Zeigefinger nur fünf Saiten und stoppt die sechste ab – wichtig, damit kein unerwünschter Ton mitklingt und die übrigen Finger nicht unnötig unter Spannung geraten.
Die wichtigste Frage beim Einsatz der Barré-Akkorde: E-Typ oder A-Typ?
Mit vier Grifftypen (E-Dur, E-Moll, A-Dur, A-Moll) lässt sich jeder Akkord auf zwei Arten greifen. Welcher ist besser? Die Faustregel: Wähle den Typ, bei dem der gesuchte Ton – ausgehend von den leeren Saiten – zuerst auf dem Griffbrett erscheint. Bei Fis liegt der Ton auf der E-Saite bereits im 2. Bund, auf der A-Saite dagegen erst im 9. Bund – hier gewinnt eindeutig der E-Typ. Bei B-Moll ist es umgekehrt: Auf der A-Saite liegt der Ton schon im 2. Bund, auf der E-Saite erst im 7. – hier ist der A-Typ die bessere Wahl.
Fis oder Ges? Die enharmonische Verwechslung
Zwischentöne zwischen den Stammtönen (A, B, C, D, E, F, G) können immer zwei Namen tragen – zum Beispiel ist der Ton zwischen F und G sowohl Fis als auch Ges, je nachdem, wie er im Notenbild gebraucht wird. Für dich als Gitarrist heißt das: Steht im Liederbuch Ges-Dur oder Fis-Dur, ist damit derselbe Akkord gemeint.
Checkliste: Die vier Grifftypen auf einen Blick
E-Dur-Typ – 6 Saiten, Orientierung auf der 6. Saite, kein Bund freilassen
E-Moll-Typ – 6 Saiten, Orientierung auf der 6. Saite, einen Bund vor dem Barré freilassen
A-Dur-Typ – 5 Saiten, Orientierung auf der 5. Saite, 6. Saite wird abgestoppt
A-Moll-Typ – 5 Saiten, Orientierung auf der 5. Saite, 6. Saite wird abgestoppt
Faustregel: Der Typ gewinnt, bei dem der gesuchte Ton auf der jeweiligen Leersaite zuerst erscheint
Diese Lektion ist Teil eines kompletten Kurses
Dieses Video ist eine vollständige, kostenlose Lektion aus meinem Jahreskurs Liedbegleitung für Einsteiger – entwickelt aus jahrelanger Erfahrung an der Volkshochschule und im Einzelunterricht. Genau an diesem Punkt, der Beherrschung der Barré-Technik, hören viele auf zu üben, dabei fängt hier eigentlich erst der Spaß an. Im Kurs baust du systematisch darauf auf: von den ersten offenen Akkorden bis zur freien Anwendung aller vier Barré-Typen in echten Songs.



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