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Gitarre lernen: 10 Wege im Vergleich

Autorenbild: Christian Konrad
Christian Konrad
25. Sept.
12 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Sept.

Wie lernt man eigentlich am besten Gitarre? Mit einem Lehrer vor Ort, mit einer App, mit Videos oder ganz allein mit einem Buch? Ich habe in meinem Leben fast alle Wege selbst ausprobiert, als Schüler und als Lehrer. Hier bekommst du meine ehrliche Einschätzung zu zehn Lernwegen, mit Schulnoten von 1 bis 6.

Ich spiele seit Jahrzehnten Gitarre. Ich habe an Musikschulen unterrichtet, Wochenend-Workshops an der Volkshochschule gegeben, per Webcam unterrichtet, und seit vielen Jahren mache ich Videokurse. Bei jedem Lernweg sage ich dir, was meiner Erfahrung nach gut daran ist und was nicht.

Ich bewerte nach drei Kriterien.

Dranbleiben. Wie gut hilft dir der Weg, über Monate und Jahre bei der Stange zu bleiben? Für mich ist das das wichtigste Kriterium, und es wird meistens vergessen. Die meisten hören schnell wieder auf, weil der Alltag dazwischenkommt.

Kosten. Damit meine ich Geld und Zeit. Den Zeitaufwand fürs ganze Drumherum rechnet kaum jemand mit. Dabei ist Zeit für uns alle knapp.

Qualität. Wer bringt dir was bei, und wie gut? Ein guter Lehrer muss mehr können als gut spielen. Er muss erkennen, wo du gerade stehst und was du jetzt brauchst. Und dir genau das passende Häppchen geben, mit so viel Hintergrund, dass du es verstehst, aber ohne zu weit auszuholen.

Du weißt, dass ich selbst Videokurse anbiete. Die Nachteile verschweige ich dir trotzdem nicht. Jeder Lernweg hat Stärken und Schwächen.

1. Einzelunterricht vor Ort

Mit einem richtig guten Lehrer ist das wahrscheinlich die schönste Art, Gitarre zu lernen. Direkter geht es nicht. Du stellst eine Frage und bekommst sofort eine Antwort. Du hörst den Lehrer live im Raum, ihr könnt zusammen spielen, und du kannst ein Songbook mitbringen und zeigen, was dich interessiert. Ein guter Lehrer kann auch ein Vorbild sein. Die persönliche Seite ist bei keinem anderen Lernweg so stark.

Dazu kommt der feste Termin. Einmal die Woche wartet jemand auf dich. Meistens hast du auch einen Vertrag. Das hält viele über Jahre bei der Stange.

Der Vertrag hat aber auch eine andere Seite. Wenn der Lehrer nicht passt, kommst du oft nicht schnell raus. Und an der Musikschule kannst du ihn dir meistens gar nicht aussuchen. Du bekommst den, der gerade eine Lücke im Stundenplan hat.

Damit sind wir beim größten Problem. Gitarrenlehrer kann sich jeder nennen. Ich habe Kollegen erlebt, die eigentlich Yogalehrer waren. Einer war kurz vorher noch Gemüsehändler. Die Mehrheit der Lehrer, die ich als Kollegen erlebt habe, hat keinen guten Eindruck gemacht. Oft liegt das gar nicht an den Lehrern selbst. Private Musikschulen zahlen sehr wenig, und wer so schlecht bezahlt wird, bereitet seinen Unterricht kaum vor. Einer meiner Kollegen kam jede zweite Stunde bei mir rein und fragte, wie man einen verminderten Akkord greift. Oder ob ich ihm Notennamen aufschreiben kann, weil er selbst keine Noten lesen konnte.

Es gibt aber auch richtig gute Lehrer. Wenn du so einen findest, hast du echtes Glück.

Dann die Zeit. Du fährst jedes Mal hin und zurück. Und von 45 Minuten Unterricht bleibt weniger übrig, als man denkt. Begrüßung, auspacken, stimmen, der Lehrer sucht Material, geht zum Kopierer, lässt unten den nächsten Schüler rein. Am Ende wieder einpacken. Wenn man ehrlich rechnet, halbiert sich die bezahlte Zeit schnell.

Und das Geld. Hier in Dresden zahlst du bei einer Gitarrenschule zum Beispiel 96 Euro im Monat für 45 Minuten pro Woche. Klingt fair. Unterricht gibt es aber nur etwa 36 Mal im Jahr, weil in den Schulferien nichts stattfindet. Bezahlen musst du trotzdem jeden Monat. Das sind 1.152 Euro für 36 Stunden, also 32 Euro pro Stunde. Je nach Musikschule landest du bei 1.100 bis 1.800 Euro im Jahr. Die Fahrzeit ist da noch nicht drin.

Meine Noten: Dranbleiben 2, Kosten 5, Qualität 1 oder 5. Bei der Qualität gebe ich bewusst keine Durchschnittsnote. Das ist eine Lotterie.

2. Wöchentlicher Gruppenunterricht

Gruppenunterricht an der Musikschule oder ein Kurs an der Volkshochschule ist günstiger als Einzelunterricht. Die Gruppe kann motivieren, du hörst die Fragen der anderen und lernst mit. Wenn alle bei null anfangen, klappt das in den ersten Stunden ganz gut. VHS-Kurse haben meistens ein festes Ende. Wenn du erstmal nur ausprobieren willst, ob Gitarre was für dich ist, kann das passen.

Aber dann gehen Level und Interesse schnell auseinander. An der VHS hatte ich nicht selten sieben oder acht Leute in einer Gruppe. Die eine versteht es sofort, der andere braucht länger. Der eine macht seine Hausaufgaben, die andere nicht. Rechne mal nach. 45 Minuten durch vier Leute sind gut zehn Minuten pro Person, und vorher müssen vier Gitarren gestimmt werden. Das Tempo richtet sich nach dem Langsamsten, oder die Schnellen ziehen davon.

Zusammenspielen klingt erstmal schön. In der Praxis ist es oft Chaos. Alle spielen durcheinander, du hörst dich selbst nicht, und manche hören in den Pausen einfach nicht auf zu spielen.

Warum bieten Musikschulen das so gerne an? Weil sie mit einem Raum in einer Stunde deutlich mehr Umsatz machen. Ich habe als Lehrer damals meistens einen Euro mehr pro Stunde dafür bekommen. Für ambitionierte Schüler ist Gruppenunterricht eine Zumutung. Und für den Lehrer auch. Da kann selbst ein guter Lehrer kaum gut unterrichten.

Meine Noten: Dranbleiben 4, Kosten 3, Qualität 5.

3. Wochenend-Workshop

Man könnte meinen, hier gilt dasselbe wie beim Gruppenunterricht. Ist es aber nicht. Ich habe an der Dresdner Volkshochschule viele Wochenend-Workshops für Anfänger gegeben, und die finde ich richtig sinnvoll.

Die Leute haben sich extra das Wochenende freigenommen und haben richtig Lust. Es fühlt sich an wie ein schönes Freizeitevent, ganz anders als eine Stunde nach einem stressigen Arbeitstag. Über ein Wochenende lässt die Motivation nicht nach. Alle starten bei null, das Level geht also nicht auseinander. Und zwischen den Tagen wird geschlafen. Über Nacht verarbeitet das Gehirn, was du gelernt hast. Oft klappt am zweiten Tag plötzlich, was am ersten noch gehakt hat.

Als Kursleiter hatte ich genug Zeit, bei jedem neuen Schritt eine Runde zu drehen und jeden einzeln zu korrigieren. Ich war immer wieder begeistert, was die Leute nach drei Tagen konnten. Und das waren meist nur Freitagnachmittag bis Sonntagmittag. Ein richtig guter Anschub. Dazu ist es günstig, und es gibt keinen Vertrag.

Die Nachteile. Es ist viel Stoff auf einmal. Workshops gibt es nur ein paar Mal im Jahr. Bei Fortgeschrittenen-Workshops weiß vorher niemand, wer mit welchem Level kommt. Und auch hier weißt du nicht, an wen du gerätst. Es gibt Kursleiter, die selbst nur die fünf häufigsten Lagerfeuerakkorde können.

Das größte Problem kommt nach dem Wochenende. Dann musst du selbst schauen, wie du weitermachst. Wenn nichts folgt, kommt schnell ein Motivationsloch.

Meine Noten: Dranbleiben 4, Kosten 1, Qualität 1 oder 5. Das Wochenende selbst ist perfekt. Aber für den langen Atem reicht es allein nicht.

4. Von Freunden oder Verwandten lernen

Für viele ist das der erste Kontakt mit der Gitarre. Es kostet nichts, es ist entspannt, und die ersten Akkorde sitzen oft schnell.

Das Problem ist, selbst spielen und unterrichten sind zwei Paar Schuhe. Das habe ich am eigenen Leib gemerkt. Mein erster Unterrichtsjob war an der Musikschule, an der ich selbst Schüler war. Ich war dort gerade einer der Besten, und man hat mich gefragt, ob ich aushelfen kann. Plötzlich sollte ich einen Rhythmus erklären und zählen, den ich seit Jahren im Blut hatte. Das war unglaublich schwer.

Aus meiner Familie kenne ich das auch, allerdings aus der Schulzeit. Nachhilfe gab es nicht, da hieß es immer, frag doch deinen Vater. Der kann das alles. Stimmte auch. Aber er hat jedes Mal beim Urschleim angefangen. Das war mir so zäh, dass ich lieber schlecht in dem Fach war, als ihn nochmal zu fragen.

Dazu kommt, der Freund gibt seine eigenen schlechten Angewohnheiten gleich mit weiter. Es gibt keinen Aufbau, man lernt, was ihm gerade einfällt. Und man will ja auch nicht ständig nerven. Meistens hört es nach ein paar Treffen wieder auf. Ich habe als Lehrer oft Schüler bekommen, die vorher bei Freunden gelernt hatten. Das war oft eine Katastrophe.

Meine Noten: Dranbleiben 4, Kosten 1, Qualität 1 oder 5. Die 1 gibt es für den Freund, der richtig gut spielt und auch erklären kann. Die Regel ist eher die 5.

5. Selbststudium mit Büchern, Noten und Tabs

Das war mein Weg in den ersten Jahren. Ich habe als Jugendlicher in einem 700-Einwohner-Dorf angefangen, und da gab es keine Gitarristen.

Der große Vorteil ist, du entscheidest selbst, was du lernst. Du lernst, was dich musikalisch wirklich begeistert. Ich habe mir damals die Grundakkorde, Barrégriffe, die Pentatonik und die Durtonleiter in Grundzügen selbst beigebracht. Das geht. Und weil es noch kein Internet gab, musste ich viel raushören. Das hat mir Jahre später in der Partyband sehr geholfen, wenn ich schnell 50 Songs von einer CD raushören musste. Was man sich allein erarbeitet hat, sitzt oft besonders gut. Und es kostet fast nichts.

Die Nachteile. Keiner fragt nach, ob du geübt hast. Wenn keine Lust da ist, passiert eben nichts, auch mal über längere Zeit. Es gibt kein System, wie man richtig übt, und du kannst keine Fragen stellen. Man lässt das Unangenehme gern liegen, und so entstehen Lücken, oft beim Rhythmus. Tabs aus dem Internet sind meiner Erfahrung nach in acht von zehn Fällen fehlerhaft. Und man bleibt leicht auf einem Level hängen, weil es sich gut genug anfühlt.

Viele haben Angst, dass sich ohne Lehrer schlimme Fehler bei Haltung und Technik einschleichen. Die Sorge ist oft übertrieben. Bei mir hat nach Jahren ein Lehrer gesagt, den Griff könntest du auch so greifen. Ich hab es umgestellt, das war keine große Sache.

Meine Noten: Dranbleiben 4, Kosten 2, Qualität 3. Das Dranbleiben hängt komplett an dir. Ich habe es durchgezogen, die meisten schaffen das nicht.


6. Kostenlose YouTube-Videos

Auf YouTube gibt es alles. Die Soli von Sweet Home Alabama, Irish Folk authentisch begleiten, alles da. Vieles davon ist hervorragend gemacht. Es kostet nichts, du kannst Stellen langsamer abspielen und wiederholen, und du kannst viele Lehrer ausprobieren.

Der große Nachteil ist, keiner gibt dir eine Reihenfolge vor, und keiner hält dich am Ball. Meistens ist es reines Lernchaos. Du arbeitest zwei-, dreimal mit einem Video und hast dann das Gefühl, woanders ist das Gras grüner. Ein Video löst ein Problem, baut aber nicht auf dem vorherigen auf. Die Grundlagen werden oft übersprungen, weil sich spektakuläre Themen besser klicken. Bis du das passende Video gefunden hast, hättest du schon üben können. Und der Algorithmus lenkt ab. Du suchst eine Akkordübung und landest bei einem Gitarrenvergleich.

Neben hervorragenden Videos gibt es auch viele falsche Tabs und schlechte Erklärungen. Als Anfänger erkennst du den Unterschied nicht. Rückmeldung bekommst du keine.

Das ist übrigens auch der Grund, warum ich auf YouTube gern Videos wie dieses mache, die an keinem bestimmten Lernschritt hängen. Eine konkrete Übung passt immer nur für einen kleinen Teil meiner Zuschauer. Den eigentlichen Unterricht an der Gitarre mache ich lieber in meinen Kursen. Da kann ich Schritt für Schritt aufbauen.

Meine Noten: Dranbleiben 5, Kosten 2, Qualität 3. Beim Geld eine glatte 1, aber die Sucherei kostet viel Zeit.

7. Lern-Apps

Mit Lern-Apps habe ich selbst keine Erfahrung. Ich habe mich aber durch Foren, Tests und Bewertungen gelesen und erzähle dir, was Leute sagen, die damit gelernt haben. Bekannt sind vor allem Yousician, Simply Guitar und Fender Play.

Die App hört meistens über das Mikrofon zu und zeigt dir sofort, ob der Ton richtig war. Yousician und Simply Guitar sehen aus wie ein Videospiel, mit Punkten, Sternen und Levels. Fender Play arbeitet eher klassisch mit kurzen Videolektionen.

Die Nutzer loben, dass es Spaß macht und die Punkte motivieren. Du bekommst sofort Rückmeldung, und die Apps sind gut, um im Takt spielen zu lernen. Der Lernweg ist klar vorgegeben, und es ist deutlich günstiger als ein Lehrer.

Kritisiert wird, dass die Apps fast nur für Anfänger gemacht sind. Ab einem mittleren Level wird es dünn. Die App hört nur, ob der Ton stimmt, nicht wie du ihn spielst. Viele schreiben, dass sie an der Vorlage kleben und sich fragen, ob sie je ein Lied ohne die App spielen können. Die Erkennung klappt nicht immer zuverlässig. Und es ist ein Abo, bei Yousician zum Beispiel etwa 120 Euro im Jahr für ein Instrument. Irgendwann nutzt sich der Spielcharakter ab. Wenn die Punkte nicht mehr reizen, bleibt wenig übrig.

Meine Noten: Dranbleiben 3, Kosten 2, Qualität 3. Als Einstieg oder Ergänzung gut, als einziger Weg eher nicht.

8. Webcam-Einzelunterricht

Webcam-Unterricht kenne ich gut, ich habe selbst eine Zeit lang so unterrichtet. Oft ist das die einzige Möglichkeit, bei einem bestimmten Musiker Unterricht zu nehmen. Du suchst dir den Lehrer aus und kannst dir vorher seine Videos anschauen. Das ist ein riesiger Unterschied zur Musikschule.

Viele meiner Webcam-Schüler lebten auf dem Land, wo es keine gute Musikschule gab. Wenn ich an meine eigene Zeit auf dem Dorf denke, hätte ich mich über diese Möglichkeit sehr gefreut.

Das ganze Drumherum fällt weg. Keine Fahrerei, kein Auspacken. Beide kommen mit gestimmter Gitarre in die Stunde, und die Zeit wird voll genutzt. Du kannst die Stunde aufnehmen, Noten und Tabs kommen direkt digital bei dir an. Bei Glatteis oder Schnupfen findet sie trotzdem statt. Oft gibt es keinen Jahresvertrag.

Die Nachteile. Zusammenspielen klappt schlecht, weil die Verbindung verzögert. Der Ton kommt nicht besonders gut an, und beide Hände gut zu zeigen ist schwierig. Das Internet wackelt mal, und die Technik schreckt manche ab. Es dauert länger, bis man mit dem Lehrer warm wird. Auch hier gibt es keine Qualitätskontrolle. Beim Preis ist alles drin. Ich habe selbst schon 100 Euro für eine Webcam-Stunde bezahlt, bei jemandem, der in einem bestimmten Thema besonders gut ist.

Meine Noten: Dranbleiben 3, Kosten 3, Qualität 2. Beim Geld wie vor Ort oder mehr, aber du sparst die komplette Fahrzeit. Und du suchst dir den Lehrer selbst aus.

9. Videokurse

Jetzt kommt mein Spezialgebiet. Beim Videokurs suchst du dir den Kursleiter gründlich aus, nach Erfahrung, Ausbildung und vor allem nach Bewertungen. Weil sehr viele Leute denselben Kurs machen, gibt es im besten Fall sehr viele Bewertungen. Für meine Kurse sind es etwa 1.800. Ein selbstständiger Gitarrenlehrer hat vielleicht fünf bis sieben Google-Bewertungen, und du weißt nicht, wie viele davon von Freunden kommen.

Dann der Preis. Mein Einsteigerkurs kostet 399 Euro und ist aufs erste Jahr ausgelegt. Einzelunterricht kostet hier in Dresden 1.100 bis 1.800 Euro im Jahr. Beim Videokurs hast du lebenslangen Zugang, kannst alles herunterladen und den Kurs so oft machen, wie du willst. Ich empfehle sogar, ihn im zweiten Jahr nochmal durchzugehen. Den meisten hilft dann weniger neuer Stoff. Es geht darum, die Basics weiter zu festigen.

Fragen kannst du jederzeit stellen, per Kommentar oder E-Mail. Bei einem guten Kurs kannst du auch Videos von dir schicken und bekommst Rückmeldung. Du kannst jede Stelle so oft anschauen, wie du willst. Ich filme mit zwei Kameras und guter Beleuchtung, da siehst du oft mehr als im Unterrichtsraum. Und jede Erklärung ist durchdacht. Im Unterricht erklärt der Lehrer spontan. Ich arbeite im Schnitt drei bis vier Tage an einer einzigen Lektion. Dazu wird ein Kurs über die Jahre immer besser, weil viele Schüler Rückmeldung geben.

Du übst, wann du willst, auch zehn Minuten am Abend. Keine Fahrzeit, kein Vertrag. Und du hast einen roten Faden für längere Zeit.

Das ist gleichzeitig ein Nachteil. Ein ganz individueller Weg ist nicht möglich. Es ist nicht so persönlich wie vor Ort, und du spielst nicht live mit anderen zusammen. Auch bei Videokursen gibt es schlechte Angebote. Die größte Schwachstelle ist das Dranbleiben. Beim Videokurs wartet niemand auf dich. Viele kaufen einen Kurs, schauen die ersten Lektionen und dann nie wieder. Du brauchst Selbstdisziplin.

Meine Noten: Dranbleiben 3, Kosten 1, Qualität 2. Ohne festen Termin hängt viel an dir. Meiner Erfahrung nach entscheiden sich aber vor allem gut organisierte Leute für einen Videokurs. Bewertungen helfen bei der Auswahl, passen aber nicht immer zu deinem eigenen Empfinden.

10. 30-Tage-Challenges

Das Prinzip ist einfach. Du bleibst gemeinsam mit anderen 30 Tage lang an einer neuen Gewohnheit dran. Kalt duschen, meditieren, Liegestütze. Als Gitarrenschüler habe ich das selbst nie erlebt. Aber ich habe mal eine ganz andere Challenge gemacht, 30 Tage grüne Smoothies zum Frühstück. Und heute trinke ich immer noch fünfmal die Woche einen grünen Smoothie zum Frühstück. Kaffee gibt es erst danach.

Jeden Tag ein paar Minuten ist eine ganz andere Qualität als einmal die Woche Unterricht. Du hast ein klares Ziel und ein klares Ende. 30 Tage wirken machbar, und die kurzen Einheiten passen in einen vollen Alltag. Alle starten am selben Tag. Das ist Kopfsache, hilft aber enorm. Du weißt, viele andere sind gerade an derselben Lektion dran. Und du willst die Serie nicht abreißen lassen.

Die Nachteile. Nach den 30 Tagen musst du dich selbst weiter organisieren. Es gibt feste Starttermine, und in einem stressigen Monat wird man es kaum durchziehen. Wer ein paar Tage verpasst, fühlt sich schnell gescheitert. Das ist Quatsch. Du steigst einfach wieder ein. Eine Challenge deckt ein Thema ab, nicht den ganzen Weg. Und die Qualität hängt auch hier vom Anbieter ab.

Meine Noten: Dranbleiben 2, Kosten 1, Qualität 2.

Damit schneidet die 30-Tage-Challenge am besten ab. Und ja, ich biete selbst eine an, die 30-Tage-Blues-Solo-Challenge. Ich mache das, weil ich selbst erlebt habe, dass daraus feste Gewohnheiten werden können.

Alle zehn Lernwege im Überblick

Die Noten stehen immer in derselben Reihenfolge: Dranbleiben, Kosten, Qualität.

  • Einzelunterricht vor Ort: 2 / 5 / 1 oder 5

  • Gruppenunterricht: 4 / 3 / 5

  • Wochenend-Workshop: 4 / 1 / 1 oder 5

  • Freunde oder Verwandte: 4 / 1 / 1 oder 5

  • Selbststudium: 4 / 2 / 3

  • YouTube: 5 / 2 / 3

  • Lern-Apps: 3 / 2 / 3

  • Webcam-Unterricht: 3 / 3 / 2

  • Videokurse: 3 / 1 / 2

  • 30-Tage-Challenges: 2 / 1 / 2

Eine Gesamtnote rechne ich bewusst nicht aus. Was auffällt: Überall, wo du dir den Lehrer nicht selbst aussuchst, ist die Qualität eine Lotterie. Und kein Lernweg hat überall gute Noten. Der eine ist stark beim Anfangen, der andere beim Dranbleiben, der nächste bei den Kosten.

Mein Rat: Kombiniere die Stärken

Einem Einsteiger würde ich heute raten, die Stärken zu kombinieren. Für den Start etwas mit viel Schwung, also einen Wochenend-Workshop oder eine Challenge. Danach einen Weg mit klarem Aufbau, der dich übers ganze Jahr führt. Das kann ein guter Lehrer sein, wenn du einen findest, oder ein guter Videokurs. Wenn du bei einem Thema tiefer einsteigen willst, nimmst du ein paar Webcam-Stunden bei jemandem, der genau das richtig gut kann. Und YouTube nutzt du zur Inspiration.

Ich selbst habe auch nicht nur einen Weg genommen. Angefangen habe ich allein auf dem Dorf, mit Büchern und viel Raushören. Dann kam Unterricht an der Musikschule und mein Musikhochschul-Studium, später Webcam-Stunden bei Spezialisten.

Checkliste: Welcher Lernweg passt zu dir?

Beantworte diese Fragen ehrlich, bevor du dich entscheidest.

  • Wie oft hast du in der Vergangenheit etwas allein durchgezogen? Wenn selten, such dir etwas mit festem Termin oder einer Gruppe, die zur selben Zeit dran ist.

  • Wie viel Zeit hast du pro Woche wirklich? Rechne Fahrzeit und Drumherum mit ein. Zehn Minuten am Tag sind oft realistischer als eine feste Stunde am Dienstagabend.

  • Kannst du dir den Lehrer selbst aussuchen? Wenn nicht, plane ein, dass du wechseln musst, falls es nicht passt. Schau vorher, wie lange du vertraglich gebunden bist.

  • Gibt es genug Bewertungen? Fünf Bewertungen sagen wenig. Viele Bewertungen von echten Schülern sagen viel mehr.

  • Hat der Weg einen klaren Aufbau? Wenn du jede Woche selbst entscheiden musst, was als Nächstes kommt, verlierst du leicht den Faden.

  • Was passiert nach dem Anfang? Plane schon beim Start, womit du nach dem Workshop, der Challenge oder der App weitermachst.

  • Bekommst du Rückmeldung? Irgendwer sollte ab und zu drauf schauen oder hören, was du spielst.

Wenn du als Einsteiger mit der Westerngitarre einen klaren Weg durchs erste Jahr suchst, ist mein Einsteigerkurs genau dafür gemacht. Mehr Infos findest du hier: Liedbegleitung für Einsteiger

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