Schneller spielen mit dem 3-Töne-pro-Saite-Konzept | Gitarren-Blog

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Schneller spielen mit dem 3-Töne-pro-Saite-Konzept

E-Gitarre Technik für Fortgeschrittene

Hast du auch ein Problem damit ,deine Licks und Übungen so richtig auf Tempo zu bekommen? Fällt dir die Koordination der Finger in höherem Spieltempo besonders schwer?
Dann habe ich hier ein interessantes Konzept für dich, die Töne auf dem Griffbrett so anzuordnen, dass flüssiges und auch schnelles Spiel deutlich vereinfacht wird.

Die komplette Sammlung meiner besten Technikübungen, die ich in über 20 Jahren gesammelt habe, gibt es auch als Videokurs. "Finger-Fitness - 50 Übungen in 50 Tagen" besteht aus 50 Videos + PDF und GPX, davon wirst du spieltechnisch ein Leben lang profitieren!

Alles nur eine Frage von Geduld und Übung?
Viele erfahrene Gitarristen sagen pauschal: Schnelligkeit kommt mit der Zeit, einfach Geduld haben und mehr üben.
Ich würde sagen: Das stimmt zum Teil, aber es gibt schon ein paar Möglichkeiten und Tricks, es sich leichter zu machen. Und heute möchte dir zeigen, wie du mit dem Konzept „3 Töne pro Saite“ oder englisch „three notes per string“ deine Schnelligkeit verbesserst.
Auch wenn du, so wie ich, vielleicht keine großen Ambitionen hast, Weltmeister im Schnellspielen zu werden, ist es immer nützlich fühlt sich gut an, wenn man tempomäßig nicht so schnell am Limit ist.

Ich zeige dir das Konzept am Beispiel der Durtonleiter, man kann es aber auch auf andere Tonleitern anwenden.

In diesem Video zeige ich dir das 3-Töne-pro-Saite-Konzept und wie man es musikalisch einsetzen kann:


Video direkt auf YouTube anschauen:
https://www.youtube.com/watch?v=ANXlzDcIaiY

Die Ausgangssituation
Schauen wir uns zunächst mal die Töne der C-Dur-Tonleiter auf dem ganzen Griffbrett an.
Ziemliches Chaos, oder?!
Die C-Durtonleiter auf dem ganzen Griffbrett
Der klassische Weg, diese vielen Töne zu ordnen und letztendlich zu spielen, sieht so aus, dass man das Griffbrett in fünf Positionen einteilt, in denen man die Tonleiter so einfach wie möglich und vor allem ohne große Fingerspreizungen spielen kann. Diese Herangehensweise nennt man auch CAGED-System, weil man zur Herleitung die bekannten offenen Lagerfeuerakkorde C, A, G, E und D heranziehen kann. Ich will darauf jetzt nicht näher eingehen, weil das nicht das heutige Thema ist, nur damit du weißt, wo der Begriff „CAGED herkommt.

C-Durtonleiter 5 Positionen
Das ist die Spielweise, die man meistens an den Musikschulen lernt und die ich auch im Normalfall verwende, weil sie für die Greifhand am bequemsten ist.
Möchte man jetzt aber besonders schnelle Melodien, Licks oder Tonleiter-Sequenzen spielen, hat das Fünf-Positionen-Konzept einen entscheidenden Nachteil:
Die Anzahl der Töne pro Saite ist unregelmäßig. Zwar werden zumeist 3 Töne auf einer Saite gespielt, es gibt aber in jeder Griffbrett-Position Ausnahmen, nämlich Saiten, auf denen wir nur zwei Töne spielen.
Zum Schnellspielen ist das ein Hindernis. Durch diese unregelmäßige Anzahl von Tönen auf einer Saite können wir den Händen keine festen Abläufe einprogrammieren.
Solange drei Töne auf einer Saite gespielt werden, könnte man z.B. bei Anwendung der Wechselschlag-Technik sagen, wir haben immer die Anschlags-Kombination „Ab - Auf - Ab“ und auf der nächsten Saite dann folglich „Auf - Ab - Auf“, wieder „Ab - Auf - Ab“, wieder „Auf - Ab - Auf“.
Aber immer, wenn wir jetzt bei der Stelle mit den zwei Tönen auf der Saite sind, gerät der ganze Ablauf durcheinander.

Das 3-Töne-pro-Saite-Konzept
Aus diesem Grund gibt es noch ein anderes System zur Organisation der Töne auf dem Griffbrett: Die 3-Töne-pro-Saite-Spielweise, bei der man auf jeder Saite drei Töne spielt, diesmal ohne Ausnahme.
Beim CAGED-System war ja der Grundgedanke, den Fingern der linken Hand möglichst alle weiten Spreizungen zu ersparen. Beim konstanten Spielen von drei Tönen auf einer Saite können wir darauf jetzt aber keine Rücksicht mehr nehmen.
Nun sind auch Spreizungen über fünf Bünde nötig, und gerade in der ersten Lage (siehe Foto) ist das ein ziemlich großer Abstand, daran muss man sich erst mal gewöhnen, wenn man das noch nie gemacht hat.

Bildschirmfoto 2016-04-08 um 15.55.43

Aber der große Vorteil bei 3 Tönen pro Saite ist, dass beide Hände immer dieselben Bewegungsabläufe haben. Das kommt der Spielgeschwindigkeit sehr zugute.
Und bei 3 Tönen pro Saite kann man mit jedem Ton einer Tonleiter beginnen. Dadurch ergeben sich hier bei unserem Beispiel der Durtonleiter sieben verschiedene Fingersätze oder Positionen.
Auf der
Materialien-Seite kannst du dir diese Übersicht als PDF herunterladen.

Die C-Durtonleiter mit 3 Tönen pro Saite

Ein einfaches praktisches Beispiel für schnelles Spiel stellt die folgende einfache Sextolen-Sequenz dar, die mit dem CAGED-System so nicht zu spielen wäre, oder wenn, dann nur sehr umständlich.
Die Anschlagshand profitiert hier unheimlich vom gleichbleibenden Anschlagsmuster „Ab - Auf - Ab - Auf - Ab - Auf“.

Übung 1: Sextolen mit Wechselschlag

Bildschirmfoto 2016-04-08 um 16.10.08

Auch wenn wir dieselbe Sequenz mit Legato-Technik spielen, Hammer On und Pull Off, und nur einmal auf jeder Saite anschlagen, ist die Aufteilung mit drei Tönen pro Saite hilfreich. Man macht dann einfach auf jeder Saite einen Anschlag und dann zweimal Hammer On.

Übung 2: Sextolen mit Legatotechnik

Bildschirmfoto 2016-04-08 um 16.03.51

Mit der 3-Töne-pro-Saite-Spielweise lassen sich viele interessante Dinge realisieren. Ich zeige dir hier einfach mal noch meine zwei Lieblings-Tonleitersequenzen, die ich oft beim Solospiel einsetze.

Übung 3: Wechselschlag-Sequenz aufwärts

Wechselschlag-Sequenz aufwaerts

Eine weitere Wechselschlag-Sequenz mit 3 Tönen pro Saite zeige ich in
diesem Video!


Übung 4: Legato-Sequenz abwärts

Legato-Sequenz abwaerts 2016-04-08 um 16.08.36

Auf der
Materialien-Seite findest du alle Tabs/Noten im PDF-Format zum Download!

Sollte man also das anfangs gezeigte CAGED-System komplett vergessen und lieber alles mit 3-Tönen pro Saite spielen?
Nein, meiner Meinung nach ist beides gut und wichtig. Ich versuche immer, Spreizungen der Finger zu vermeiden, wo es nur geht. Daher nutze ich normalerweise das CAGED-System mit den fünf Positionen. Aber für schnelle Tonleitersequenzen ist die 3-Töne-pro-Saite-Spielweise einfach unschlagbar.
Probiere einfach beides mal aus und entscheide selbst, was du brauchst!

In diesem Video gebe ich dir in diesem Zusammenhang 10 Tipps zum Üben von Tonleitern!

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Was hältst du vom 3-Töne-Pro-Saite-System und welche Erfahrungen hast du mit dem CAGED-System gemacht? Verwendest du bevorzugt ein System oder alle beide? Schreibe mir doch in einem kleinen Kommentar (unten) deine Erfahrungen/Gedanken zum Thema!



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